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Hannes Pohlit
Humanité

Geistliches Konzert für Violine und Orgel
zum 500. Jubiläum der Reformation 1517/2017
 
(2017)
 
- Róbert Wittinger gewidmet - 

I. Wachet auf
II. Ein neues Lied wir heben an
III. Komm Gott Schöpfer, Heiliger Geist


Besetzung: 
Violine (Solist)
Große romantische Orgel mit mindestens drei Manualen 
Tiefe Glocken oder Großes Tamtam (ad libitum, im 3. Satz)

Aufführungsdauer: ca. 34 Minuten (1. Satz: ca. 14 Minuten, 2. Satz: ca. 9 Minuten, 3. Satz: ca. 11 Minuten)

Uraufführung: Leipzig (Nikolaikirche), 4. 8. 2018 
(Stefan Arzberger - Violine, Simon Reichert - Orgel, Hannes Pohlit - Tamtam / Registrant: Dr. Dieter Wadewitz)

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Verlag (Druckveröffentlichung voraussichtlich Ende 2018):

Friedrich Hofmeister Musikverlag (Leipzig)  

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Partiturbeispiele:
   

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Werkeinführung: 
Das französische Wort Humanité hat zwei Bedeutungen: einerseits bedeutet es "Menschheit" allgemein, im besonderen aber 
auch "Menschlichkeit". Für mich ist die wichtigste Errungenschaft der Reformation die Erfindung der Menschlichkeit und die 
Rückbesinnung darauf, dass Gott auch in jedem Menschen lebt und jeder Mensch mit Gott kommunizieren kann und darf. 
Ich glaube, dass die wahre Geschichte der Menschheit von den einfachen Menschen, von ihrer Lebensweise, ihrer Art zu lieben 
und ihre Welt zu gestalten bestimmt ist. Mein Violinkonzert "Humanité" handelt von solchen Gedanken und Gefühlen. Jeder 
der drei Sätze beschäftigt sich mit dem Text eines Kirchenliedes der Reformation. Der erste Satz ("Wachet auf") beschreibt 
die Reformation wie den Sonnenaufgang eines neuen Lebens. Die Violine steht für die menschliche Seele, die aus dem Schlaf 
(des Mittelalters) erwacht, mit ihrem Gesang die Welt zum Singen und Klingen bringt und diese neue, von Liebe und Freude 
erfüllte Welt mit offenen Sinnen erkundet. Der zweite Satz ("Ein neues Lied wir heben an") ist ein Capriccio über Martin Luthers 
erstes Lied. Darin wird von dem Martyrium zweier Mönche berichtet, die in Brüssel auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, 
weil sie sich zur Reformation bekannt hatten. Die Violine wird zur Stimme des Protestes und der Anklage von Unmenschlichkeit 
und Machtmissbrauch. Der kontemplative dritte Satz ("Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist") reflektiert schließlich die Suche 
nach Frieden und nach der Vereinigung mit Gott sowie die Frage der Menschwerdung Gottes. 
Die Reformation ist nicht nur eine große Geschichte des Humanismus, sondern auch einer der Ursprünge der europäischen 
Musikgeschichte, des Kirchengesangs. Die Solo-Violine "singt" daher auf die Choral-Texte, indem ihre Stimme - ähnlich einer 
Singstimme - nach den Texten der Choräle komponiert ist. Der Orgel kommt die Aufgabe zu, die Welt in vielschichtig farbigen 
Dimensionen, aber auch den Feind, der sich der Seele mit roher Gewalt entgegenstellt, darzustellen. Mich selber beschäftigt die 
Frage, was die Menschen in der Gegenwart und in der Zukunft aus der humanistischen Idee machen werden. Tradition ist das, 
was übrig bleibt von großen, oft leidenschaftlichen Gefühlen und visionären Ideen; manchmal bleibt von diesen Gefühlen und 
Ideen nach Jahrhunderten nur noch eine äußerliche Hülle übrig. Daher erscheint zum Ende des Violinkonzertes im Orgelpedal 
der "originale" Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" im Orgelpedal in seiner tonal überlieferten Gestalt, während die 
Stimme der Violine sich im alles auflösenden Rauschen von kriegerischen Fanfaren und Stürmen verliert. Humanistische Ideen
sind in der Geschichte der Menschheit immer wieder von Mächtigen entfremdet und zu unmenschlichen Zwecken eingesetzt 
worden. So bleibt auch die Violine, die "Seele" dieses Tongedichts und hier Stellvertreterin für die enteigneten Urheber großer 
geistlicher Errungenschaften, am Ende entfremdet in einem veränderten Klang stehen - und das Stück endet mit einem 
sorgenvollen Fragezeichen. (Hannes Pohlit) 

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Aufführungen:
04. 08. 2018 Leipzig (OrgelHerbst Nikolaikirche)
16. 06. 2019 Landau/Pfalz (Stiftskirche) 

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© 2009-2018 by Hannes Pohlit